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THEMA: Aktuelle Entwicklungen bei NAS Betriebssystemen

Aktuelle Entwicklungen bei NAS Betriebssystemen 18 Jun 2012 20:55 #1

  • Stonecold
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  • Frischling
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Fileserver....."haun wir FreeNAS drauf und gut ist".....oder doch nicht?

Früher war es einfach, jeder bekämpfte den Klassenfeind Microsoft (und seine
Serverprodukte) wo es ging, die Welt war einfach.... Man nahm entweder Linux (für die
Leute die eine Kommandozeile bevorzugten), oder FreeNAS (die etwas Oberfläche brauchten
und gut war es. FreeNAS war zudem ressourcenschonend, man konnte es auf einen alten PC raufpacken und
hatte seinen Server.

Wie sieht es heute aus?

Wer denkt, das ist noch immer so einfach, der irrt. Nicht umsonst haben sich neben FreeNAS viele Systeme entwickelt oder sind in Entwicklung.

Sehen wir uns an was es für Systeme hier gibt

Microsoft Windows
Hier gibt es die Serverprodukte Microsoft Windows Server für KMUs und Großbetriebe, den
Windows Home Server für den Home User und den KMU. Auch immer wieder gerne im Einsatz
WinXP, Win Vista oder Win7 mit mehr oder weniger Erfolg.

Linux
Neben Linux und seiner Komponente Linux Home Server gibt es eigene Linux Produkte wie
Eisfair (für Home User), OpenMediaVault (für KMU und Home User), OpenFiler (für KMU und Großbetriebe, Open-E (für KMU und Großbetriebe), Amahi Home Server für den Home User oder NexentaOS (Großfirmen), Zentyal (Privatuser, KMU und Großbetriebe)

Solaris
Neben dem Haupt Produkt Solaris (für Großbetriebe) gibt es einige Projekte wie
OpenIndiana (Großbetriebe), NexentaCore, Open Solaris die hauptsächlich auf Großbetriebe abzielen.

FreeBSD
Natürlich könnte man FreeBSD als Server einsetzen, aber es gibt hier eigene Produkte wie
FreeNAS oder NAS4Free die für Großbetriebe eingesetzt werden können.

Warum nicht einfach FreeNAS? "Was gut war ist immer gut?"

Ja, aber wird man sich fragen, wieso nimmt man nicht einfach FreeNAS, das war doch immer
gut und wieso jetzt nicht?

FreeNAS hat sich "leider" weiterentwickelt, statt einfacher scheint man sich in ein
Filesystem (ZFS) zu verrennen und es scheint fast so wie beim Erdkampfflugzeug Fairchild A-10. Eine große Kanone und sonst nichts.

Ja, aber es hat ZFS...könnte man jetzt sagen, aber ist ZFS im Hausgebrauch nötig? Nein,
man braucht es nicht mal in Firmen, denn der Vorteil von ZFS liegt in der Größe der
einzelnen Dateien. Sicher wird gerne angespielt das man Plattenpools aufbauen kann, aber
das kann man wenn man es benötigt auch mit einem einfachen RAID. Auch das braucht man im
Home Gebrauch nicht.
Und der Vorteil das "defekte" Dateien neu geschrieben werden.... nun, jeder der eine
kaputte Festplatte einmal in Händen gehalten hat, weiß das kein ZFS dieser Welt ihn davor
schützt.

Nun, jetzt wird gerne das Argument ins Spiel gebracht, das FreeNAS ja so
ressourcenschonend ist. Nun, seit der Einführung des ZFS ist es das nicht mehr, 4GB Ram
sind Mindestvorrausetzung zum Betrieb, ein Celeron fast unterdimensioniert und man braucht
eine Startplatte. Jetzt könnte man sagen, ich kann partitionieren. Nein, auch das geht
nicht. Und wer auch immer auf die Idee kommt, einen USB Stick als Startplatte zu
verwenden, der wird sich wundern wie langsam das System läuft.

Und auch Argumente wie DLNA und Energiemanagment verblassen angesichts dessen, das man
zwar die Funktionen eingebaut hat, aber sie nicht funktionieren. Was bringt mir ein
Energiemanagment wenn die Platten abgeschaltet werden, der Rest des Systems aber nicht.

Ist FreeNAS daher schlecht? Nein, aber angesichts der Probleme sollte man sich fragen ob
sie sich nicht wie die Entwickler der A-10 sich in etwas verrennen. Gerade das ist
schade. Den ein NAS Betriebssystem sollte heute mehr können als ein "besonderes"
Filesystem zur Verfügung stellen. Wer ZFS braucht wird letztendlich auf ein anderes
Betriebssystem umsteigen.

Und an dieser Stelle kommen wir wieder an den Punkt der anderen Betriebssysteme. Früher
war Microsoft der Klassenfeind, wie oft hörte ich in meiner Jugendzeit, Linux wird
Microsoft vernichten, denn es ist ja Free....
Aber ist es so free? Wer den Amahi Home Server etwas beobachtet, stellt fest, es gibt
Ambitionen zu "Big Brother is watching you".

Aber was definiert jetzt ein NAS Betriebssystem?

Nun, leider hat hier jeder seine eigene Vorstellung, und vieles das "Einfach" sein soll,
stellt sich als gar nicht so einfach heraus. Da wäre die Oberfläche, ein großer
Minuspunkt bei FreeNAS, den seit Version 8 ist sie so aufgeräumt das jeder der sich
einmal über die Unlogik der Systemeinstellungen in Windows geärgert hat hier einen
Wutanfall bekommen muss.
Solaris demonstriert uns, man braucht keine Oberfläche. Man verweist auf eine Oberfläche
wie Napp-It. Doch Vorsicht, der Fehler steckt im Detail, man sollte sich bevor man ein
System verwendet die "Spendenpflicht bei Napp-It" gut durchlesen um evtl.
Rechtstreitigkeiten gleich zu vermeiden.

Ich denke im Jahre 2012 sollte eine Oberfläche vorhanden sein, und zwar ab Start. Sicher
wird gerne ins Feld geführt, eine Kommandozeile ist doch viel einfacher. Nun, wer sich
als IT Profi bezeichnen will führt dieses Argument gerne an, für den User der bedienen
soll oder muss, auch den Techniker ist es meist eher ein Hindernis.

Für den Home User sollte ein NAS Betriebssystem ressourcenschonend sein, ein Atom mit 2GB
Ram sollten ausreichen. Genauso wichtig ist das Energiemanagment, das den NAS auch in den
Standby führt.

Für den KMU sieht die Welt nicht wirklich anders aus. In Zeiten von Energiebilanzen,
Kosten/Nutzenrechnung und kleinen Kassen sollte auch hier gespart werden wo es geht. Auch
hier sind Energiemanagment, und niedere Ressourcenanforderungen wichtig. Vor allem wenn
man bedenkt dass ein FertigNAS heute meist auch nur mit einem Atom ausgestattet ist.

Für den Großbetrieb gelten meist andere Anforderungen, hier ist Kompatibilität zu
Hardware Raid Controllern und Schnittstellen zu Backup Lösungen wichtig.

Wer an dieser Stelle denkt, RAID, wozu RAID Controller, den habe ich doch per Software,
der irrt. Den genau das bricht einem Server mitunter das Kreuz, der auch gerne mit
Diensten etwas überladen wird.
Auch gegen die Vorteile eines Hardware Controllers spricht nichts, denn er ist schnell
austauschbar und kommt meist mit einem speziellen Service daher der gerade in Firmen
absolut wichtig ist.

Jetzt wird gerne von den Home Usern angebracht, ich brauche einen RAID zwecks Sicherheit,
ein RAID bringt keine Sicherheit, er bringt kein Backup, das wichtiger ist als ein RAID.
Auch die Leistungssteigerung ist trügerisch, denn diese wird durch die
Netzwerkschnittstelle begrenzt. Im Gegenteil, ein RAID kann sogar an einem NAS zu einer
Leistungseinbuße führen.

Grundfunktionen wie DLNA, Druckserver, CIFS und SAMBA sollten vorhanden sein, egal ob
Privat oder Großfirma.

Energie - oder wie viel darf ich verbrauchen?

Anders als Desktop Systeme ist gerade die Energie das Entscheidende. Hier kann das Beste
Desktop Netzteil zum Schatten seiner selbst verblassen. NAS Server brauchen keine 500
Watt, keine 1000 Watt, tatsächlich kommt man meist mit 300 Watt oder weniger aus. Wichtig
ist die Stabilität des Netzteils und wie gut es mit der Energie umgehen kann. Es sollte
im Idle auch in den Idle schalten, und nicht wie bei einigen Herstellern vorgeben in den
Idle zu gehen.
Ein NAS Server mit einem Intel Atom sollte unter Voll-Last nicht mehr als 45 Watt
verbrauchen, das ist heute auch mit jedem herkömmlichen Board möglich. Leider beweisen
uns einige Festplattenhersteller (gerade im Green Bereich) das Green nicht Green ist,
genauso wie einige Platinen und CPU Hersteller (AMD z.B.) das sie zwar gute Systeme für
den HomeUser entwickeln können, aber im NAS Bereich keine Ahnung haben.
Der Trugschluss, AMD verbraucht nur 8 Watt, ist leider falsch.

Was mache ich jetzt?

Doch dies alles zeigt uns, es gibt kein Universalrezept. Jeder muss das NAS für seinen
Einsatz finden, und es ist nicht verkehrt einen Windows Server einzusetzen, oder auf
OpenMediaVault zu setzen, oder aber auf OpenSolaris.
Die Frage ist nur ob OpenSolaris oder FreeNAS was für den KMU oder Home User bringen,
oder ob ein WHS einen Firmenchef glücklich macht.

Links

NAS4Free
Open-E
OpenMediaVault
FreeNAS
OpenIndiana
NexentaOS
Zentyal
OpenFiler
Microsoft Windows Home Server
Meine NAS Systeme:
Eigenbau NAS auf Basis eines Intel Atom D-525 mit 4x 1TB und WHS V1
Eigenbau NAS auf Basis eines Intel Z77 Board mit 6x 3TB und Windows Server 2008
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: Marcel.

Aw: Aktuelle Entwicklungen bei NAS Betriebssystemen 19 Jun 2012 15:36 #2

  • Marcel.
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Sehr schön und ausführlich geschrieben - bitte mehr davon ! :kiss:
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